Voraussetzungen

Für das Anpassen von Hörgeräten sind ein paar Voraussetzungen zu erfüllen. Nicht jedes Hörgerät ist geeignet, und der Aufwand variiert je nach Hersteller. Grundsätzlich benötigt werden:

  1. Digitale Hörgeräte 
  2. Computer (min. Windows XP und USB), besser Notebook mit Bluetooth
  3. Programmierstelle
  4. Anpassungssoftware des Hörgeräte-Herstellers
  5. Grundkenntnisse in der Akustik

Die Voraussetzungen zur Hörgeräte-Selbstanpassung im Detail:

1. Digitale Hörgeräte

Digitales HörsystemAnalog-Hörgeräte gibt es schon länger nicht mehr. Grundsätzlich sind alle aktuellen Hörgeräte digital und programmierbar, egal welche Bauform verwendet wird. Ich persönlich bevorzuge Hinter-dem-Ohr Geräte und habe mir einen Anforderungskatalog aufgestellt (siehe » Das perfekte Hörgerät). So eine Liste hilft bei der Wahl des optimalen Hörgerätes.

2. Computer

Ein 10 Jahre alter PC mit min. Windows XP und USB reicht im Grunde aus. Wer einen Mac hat, muss Windows in der virtuellen Umgebung (oder nativ) installiert haben, denn alle Anpassungsprogramme laufen nur unter Windows.
Flexibler ist die Programmierung über ein Notebook mit Bluetooth-Schnittstelle. So lässt sich das Hörgerät direkt in einer Situation optimieren, z. B. in der Küche oder auf der Baustelle.

3. Programmierschnittstelle

Nun wird es schwieriger. Es gibt Universalschnittstellen wie die HiPro oder NOAHLink. Sie sind jedoch teuer, nicht einfach in der Handhabung und benötigen Spezialkabel zur Verbindung mit dem Hörgerät. An alles ist schwer heranzukommen, weil es sich um „medizinische“, nicht frei verkäufliche Geräte handelt.

Einige Hörgerätehersteller haben proprietäre, schnurlose Anpassungsschnittstellen. Sie funktionieren nur mit bestimmten Geräten des Herstellers, ermöglichen aber eine deutlich bequemere und direktere Anpassung. Die Schnittstelle wird einfach um den Hals gehangen und  die Schlaufe kommuniziert per Induktion mit den Hörgeräten. Die Schnittstelle selbst wird per USB oder Bluetooth mit dem PC verbunden. Von Phonak gibt es z. B. die iCube. Auch sie ist nicht frei käuflich, aber z. B. über Ebay China zu bekommen. Jedoch mit rund 400 € auch nicht gerade preiswert. Freundliche Akustiker verleihen so eine Programmierschnittstelle auch schon mal.

4. Anpassungssoftware

07_Live_viewZu guter Letzt wird die Anpassungssoftware vom Hörgeräte-Hersteller benötigt. Auch hier ist man auf einen freundlichen Akustiker angewiesen, denn frei zum Download bietet meines Wissens nur Phonak deren alte Anpassungssoftware iPFG an (siehe Phonak iPFG). Andere Hersteller sind diesbezüglich deutlich verschlossener.

Nach der Installation sollte man sich erst einmal innerhalb der Software orientieren. Zwar sind die Programme in vielen Punkten selbsterklärend, richten sich aber eben an Akustiker und nicht den Endkunden.

5. Kenntnisse in Akustik

Buch_Audiometrie

Wer etwas von Akustik versteht, wird sich in der Software deutlich einfacher zurechtfinden. Was Frequenzen und Schallpegel sind, sollte bekannt sein, ansonsten wird die Selbstanpassung zum Glücksspiel. Wer sich in das Thema einarbeiten möchte, dem sei dieses Buch zu empfehlen: Praxis der Audiometrie

13 Gedanken zu „Voraussetzungen

  1. Hallo,
    ich wechsle gerade auf neue Hörgeräte. Mein Akustiker ist KIND und diese Kette vertreibt ja HG’s mit eigener Software. Aktuell habe ich das KINDevo 3410 im Test, welches (fast) baugleich mit Starkey Muse 1600 ist. Z.B. fehlt den KINDevo die T2-Funktion. Andere Unterschiede habe ich noch nicht bemerkt.
    Ich habe mir schon das Programm Inspire besorgt, kann nun direkt dem Akustiker meine Wünsche und Vorstellen vorlegen. Naja, und der war heute nun schon so weit, mir die Programmierschnittstelle übers Wochenende mal auszuleihen.
    Knackpunkt ist, dass die HG’s nun nicht orginal Starkey sind. Laut Akustiker würden die Geräte nicht erkannt werden.
    Gibt es da irgendeinen Trick … ?
    Die Starkey Muse-Geräte haben soooo viele Möglichkeiten, die kriegt man in 20 Anpassungssitzungen nicht durch.

    1. Hallo Birgit,

      Bei den „Eigenmarke“-Hörgeräten ist es in der Regel so, dass du die Hersteller-Software in der „Spezial“-Ausgabe brauchst. Ist eigentlich identisch mit der Original-Software nur, dass die Eigenlabel-HG zusätzlich freigeschaltet ist.

      Bei einigen HG-Herstellern wird das HG in der Software nur erkannt, wenn ein spezieller Freischaltcode eingegeben wird.

      Warum sich die Akustik Branche sich dies antut ist mir schleierhaft, da dies eigentlich alles nur verkompliziert.

      Der HG-Hersteller muss eine zweite Software erstellen und produzieren.

      Die Akustiker können Kunden mit Eigenlabel-HG nicht direkt bedienen, sondern müssen sich erst die Software besorgen.

      Der Kunde ist genervt, weil der andere/neue Akustiker ihm nicht direkt helfen kann.

      Die Software muss von den HG-Herstellern/HG-Vertreibern allerdings an andere Akustiker rausgegeben werden, da der Kunde sich ja aussuchen kann, zu welchem Akustiker er gehen will. Ist ähnlich wie bei Autos. Mercedes Benz als Beispiel kann ja auch nicht einfach ein Spezialwerkzeug entwickeln und das nicht an freie Werkstätten rausgeben.

      Die Herausgabe der „Spezialsoftware“ wird allerdings auch wohl nicht immer kostenlos gehandhabt. Ich habe schon mal in einem Fall von 150,- € Pauschale gehört. Wie gesagt: Beklopptes System, das nicht gerade das Vertrauen der Kunden stärkt.

      Am besten versuchst du dir die Software über einen Akustiker zu besorgen. Einen direkten Download Link o. Ä. ist mir so nicht bekannt.

      LG

  2. Hallo,
    was für Equipment wird denn benötigt um OPN1 von Oticon einzustellen? Müsst doch auch ohne Kabel über Bluetooth und einer Anpasssoftware gehen. Gibt es da schon Tipps und Links zur Beschaffung?

    1. Hallo,

      eine direkte Programmierung via Bluetooth ist in der Regel nicht möglich, es bedarf meist noch einer Programmierschnittstelle. Fragen Sie am Besten Ihren Akustiker, ob er eine direkt von Oticon hat. Meist haben die Akustiker die proprietären Herstellerschnittstellen ungenutzt rumliegen.

      Viel Erfolg!

      1. Es soll jetzt aber eine USB-Bluetoothlösung geben, weiß nur nicht wie die heißt und ob es die woanders günstig gibt.

  3. ich habe 2 Kassengeräte und bin damit unzufrieden, trotz mehrmalligem Einstellen beim Akustiker gab es kein ausreichendes Ergebnis. Ich habe mich dann meiner Electronischen Kenntnisse bedient und ein paar Sennheiser in Ohr Kopfhörer mit einer selbstgebauten Digitalen Schaltung für hinter dem Ohr verbunden, diese lassen sich über eine 3 polige Schnittstelle mit dem Programmier Gerät und einem PC verbinden.
    Ich habe einen 10 Kanal Equalizer, ein Richt & ein 180 Gradmicro, das Akustische Ergebnis ist hervorragend, nur leider ist die Batterie lebensdauer nur halb so lange wie bei den Original Geräten

    1. Hallo Herr röger,
      Ich kann sie verstehen das sie ihre Hörgeräte selber einstellen möchten, aber es gibt schon Gründe warum die Ausbildung als Hörgeräteakustiker 3 Jahre dauert. Man kann durch Unwissenheit sehr viel schädigen. Wenn das Gehör einmal geschädigt ist lässt es sich nicht einfach reparieren.

    2. Guten Tag Herr Röger,

      vielleicht können Sie Ihren Akustiker mit dieser Seite davon überzeugen, Ihnen Schnittstelle und Software zum Einstellen Ihrer Hörgeräte zu leihen. Wenn Sie experimentierfreudig sind, können Sie sich auch gute Geräte aus China besorgen, siehe http://hoergeraete-hacks.s-p-s.de/allgemein/guenstige-hoergeraete-aus-china/ und diese selber anpassen. Die Anpassungssoftware bekommen sie dazu, nur eine HiPro und die Kabel werden noch benötigt.

      Viel Erfolg zum besseren Hören.

  4. Nachdem ich mich lange mit dem Thema” Hörgeräte selbst einstellen” befasste, habe ich die erforderliche Hardware und die Software zusammengetragen: Hi-Pro USB bezog ich über ebay aus den USA ($ 280.– + Versand $ 18.–), auch die Kabel für meine Phonak Solana ICI (Kabel 10a) und für meine HdO Certena (die ich von meiner Schwiegermutter geerbt habe) habe ich aus USA (2 Kabel CS 44, je ca. $ 55.–). Da die Phonak Certena CS 44a Kabel erfordern, habe ich zwei PS2 Verlängerungen , bei denen ich die Anschlüsse 2 und 3 vertauscht habe, dazwischengeschaltet. Die Software Target 3.1 habe ich von Privat aus Deutschland (€ 60.–) bezogen und upgedatet (inzwischen gibt es ja einen Link-siehe oben). Für meine HdO Geräte habe ich iPFG 2.6c von Phonakt heruntergeladen. Nach einer längeren Einarbeitungszeit, in der ich immer wieder im Internet nach verschiedenen audiometrischen Begriffe recherchiert habe, kann ich von mir behaupten, dass ich sehr froh bin, dass ich mir nun meine Hörgeräte selbst einstellen kann. Ich möchte jedoch betonen, dass man sehr sehr langsam und vorsichtig an die Sache rangehen muss, und immer genau wissen sollte, was man einstellt (ich habe mir auch das Buch “Audiologie Basics” zugelegt). Im übrigen bieten beide Programme Assistenten zur Einstellung an. Der große Vorteil des Selbsteinstellung sehe ich darin, dass ich die Hörgeräte sofort in verschieden Situationen testen kann, und anschließend zu Hause zu notwendigen Feinabstimmungen durchführen kann. Für meine HdO Hörgeräte habe ich aus England noch eine Fernsteuerung (KeyPilot2 € 42.–) gekauft.

  5. Ich kann mich dem Urteil von Herrn Ihde voll anschließen: Die Handelsspannen der Hör-Akustiker sind ärgerlich hoch. Da ich (allerdings vor ca. 50 Jahren) meine Prüfung in Elektro-Akustik immerhin mit sehr gut bestanden habe, werde ich wohl die nötigen Kenntnisse mitbringen. Zur Zeit teste ich das Phonak Audeo Q90.

    Nun mein Anliegen:
    Wie ist der Sachstand Ihrer Bemühungen um selbst anpassbare HdO-Geräte?
    Kann ich Sie in irgend einer Weise unterstützen?

    1. Guten Tag Herr Dr. Molzahn,

      selber verfüge ich nicht über die Kapazitäten, eine solche Entwicklung zu realisieren. Seitens der Hörgerätebranche habe ich die Hoffnung praktisch aufgegeben, eine Entwicklung zum selbst anpassbaren Hörgerät anzuregen. Das Projekt z. B. von GNResound (siehe hier)
      hat mit echter Selbstanpassung leider wenig zu tun. In dieser Branche sieht man einfach keinen Markt für selbst anpassbare Hörgeräte, da der größte Teil der Zielgruppe damit technisch überfordert wäre.

      Der Impuls wird aus einer ganz anderen Richtung kommen müssen. Mit einer Plattform wie The Dash ließe sich eine völlig neue Art der Anpassung realisieren. Erste Gespräche habe ich hierzu bereits geführt, jedoch ist noch nicht klar, ob diese Geräte als vollwertiger Hörgeräteersatz taugen werden.

      In den USA scheint man mit dem Thema Selbstanpassung weiter zu sein. Dort wird z. B. von DIY Hearing das Clearflex angeboten, ein Hörgerät, welches vollständig über ein Tablet angepasst werden kann. Ich bin der Meinung, ein solches Angebot wäre auch für Europa attraktiv.

  6. Guten Abend Herr Ihde,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Es gibt bereits erste Gespräche mit verschiedenen Institutionen und Unternehmen für selbst anpassbare Hörgeräte. Sobald es hierzu Neues zu berichten gibt, werden Sie es hier erfahren.

  7. Millionen Menschen stellen ihre Ipods & Co mit dem Equalizer so ein, dass sie angenehm hören können. Leider hat es die Hörgeräteakustiker Lobby geschafft, genau diese Technik für Hörgeschädigte unter dem Deckmantel der medizinischen Versorgung mit Beschlag zu belegen. Dankenswerte Weise traut sich die Firma Häcks immerhin, dieses heisse Thema anzufassen. Herr Häcks, gehen Sie diesen Schritt konsequent weiter, und bieten komplette Hörsysteme mit eigener Einstellungssoftware an! Es dürfte ein gutes Geschäft werden, und Millionen von Hörgeräteträgern zufriedener machen!

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