Programmierbeispiel

Wie Sie ein Hörgerät selbst einstellen

OLYMPUS DIGITAL CAMERASind alle Voraussetzungen erfüllt, kann es endlich mit dem Anpassen der Hörgeräte losgehen. Eine Erstanpassung, der sogeannte „First-Fit„, wurde bereits vom Akustiker vorgenommen.

Nun geht es an die Feinanpassung. Ein konkretes Beispiel mit einem Hörgerät von Phonak und der Anpassungssoftware Target soll den Ablauf verdeutlichen. Als Schnittstelle zur Programmierung der Hörgeräte wird ein schnurloses iCube verwendet. Der Ablauf im Überblick:

  1. Verbindung zur Programmierschnittstelle
  2. Einrichten / Laden der „Kundendaten“
  3. Verbindung zu den Hörgeräten
  4. Hörgerät einstellen
  5. Speichern der Programmierung

1. Verbindung zur Programmierschnittstelle

01_iCubeZuerst müssen wir die Verbindung vom PC zur Programmierschnittstelle einrichten bzw. aktivieren. Nach dem Start der Anpassungssoftware Phonak Target findet sich unten im Hauptmenü der Punkt: Phonak Target Einstellungen / Programmierschnittstelle. Dort wählen wir iCube und fügen einen neuen iCube hinzu bzw. testen die Verbindung eines bereits eingerichteten iCubes. Steht die Verbindung, geht es zum nächsten Punkt.

2. Einrichten / Laden der „Kundendaten“

02_KundeDie Anpassungssoftware ist für die Verwaltung vieler „Kunden“ ausgelegt. Wir brauchen aber nur einen und fügen einen Neuen hinzu. Name und Vorname genügen. Diesen wählen wir nun aus und starten mit einer neuen Sitzung.

3. Verbindung zu den Hörgeräten

03_VerbindenDamit die Hörgeräte nun eingestellt werden können, wird zuerst eine Verbindung zu den Hörgeräten aufgebaut. Dazu in der oberen Leiste über Hörsysteme auf Verbinden klicken. Werden die Hörgeräte gefunden, sollen die vorhanden Daten auf den Hörgeräten ausgelesen werden. Voilà, alle Einstellungen und das Audiogramm vom Akustiker sind geladen. Kommen wir nun zum spannenden Teil der Hörgeräteanpassung:

4. Hörgerät einstellen

Mit Klick auf den Reiter Anpassung gelangen wir in die Welt der akustischen Parameter.

Achtung! Bevor nun munter experimentiert wird, beim ersten Mal die Einstellungen vom Akustiker speichern! Dazu auf Datei > Sitzung speichern klicken und dann noch einmal mit einer neuen Sitzung starten.

Interessant sind nun die Unterreiter Basisanpassung für grobe Korrekturen und die Feinanpassung. Hier lassen sich einzelne Frequenzbereiche korrigieren, Programme einrichten und Funktionen wie Windgeräuschunterdrückung oder Richtwirkung der Mikrofone optimieren. Am Besten, man schaut sich etwas in der Software um und versucht sich nach und nach einzuarbeiten. Da am Anfang hoffentlich die Sitzung vom Akustiker gespeichert wurde, lässt sich der „Auslieferungszustand“ jederzeit wiederherstellen.

5. Speichern der Programmierung

11_Sitzung_speichernZu guter Letzt erfolgt die Speicherung der geänderten Einstellungen in den Hörgeräten und parallel auch in der Datenbank. Notizen zu den geänderten Einstellungen sind hier hilfreich, damit man später leichter nachvollziehen kann, was bei einer Sitzung verändert wurde.

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Alle Angaben ohne Gewähr.
Anpassungen auf eigene Gefahr!

226 thoughts on “Programmierbeispiel

  1. Hallo zusammen,

    natürlich kann man die HGs selber einstellen, aber auf Basis von was? Das Gehör verändert sich mit der Zeit und kann pro Jahr 3 Prozent einbüssen. Mit Phonak Target kann man zwar ein Audiogramm direct anfertigen, aber dieses deckt nicht alle Frequenzen ab, dazu fehlt die Knochenleitungsmessung. Ins Ohr schaut auch niemand, denn Cerumen im Ohr und andere krankhafte Veränderungen können das Messergebnis verfälschen. Welchen Hörer benötige, welche Hörerlänge, welche Anpassformel, geschlossener oder offener Dome, evtl. OTO Plastik usw.? All das kann ein Laie im Wohnzimmer kaum selber bewerkstelligen. Natürlich sind HGs im Internet „günstiger“ aber beim Akustiker bekomme ich Garantiepakete, eine Hörgeräteversicherung, Batterie und Filterpakete etc. die meistens im Servicepaket enthalten sind. Dazu kommt der jährliche Service, die Tonaudiometrie und Expertisen für die Krankenkassen usw.. Man kann sich natürlich auch Einlegesohlen selber zuschneiden oder das Gebiss zusammenkleben.

    1. Ich respektiere Ihre Einstellung! Bei mir ist es aber so, dass ich im nahegelegenen Ausland rund 1.500,- günstiger einkaufe, als in Deutschland. Selbst wenn ich jährlich einmal einen Hörtest mit neuem Diagramm für rund 40,- anfertigen lasse, spare ich viel(!) Geld.

    2. Basis wär bei mir die gewohnte „Hör“-Umgebung. Was nützt mir eine im Studio erstellte Einstellung, wenn die nachher in der Praxis nichts taugt. Wenn ich selbst eine Einstellung per SmartPhone vornehme, kann ich die leider nicht dauerhaft speichern. Spätestens beim nächsten Telefonat , Batteriewechsel oder der nächsten BT-Verbindung ist die wieder weg. Und ich will nicht den ganzen Tag mit Smartphone rumlaufen, nur um meine Hörprothesen wieder einzustellen.

  2. Ich sehe das etwas anders: Es geht nicht darum, Hörprofile für eine ganz bestimmte Umgebung herzustellen. Der Hörtest dient vielmehr dazu, Hörschwächen im gesamten Hörbereich festzustellen, um diese dann in einem einzigen Hörprofil abzulegen. Haben Sie zum Beispiel eine Absenkung von rund 20 Prozent im Bereich von 3500 kHz, dann soll ein Hörgerät diesen Hörverlust ausgleichen, in dem im betreffenden Hörbereich gegengesteuert wird.
    Auch ein gut hörender Mensch ist verschiedenen akustischen Situationen ausgesetzt. Gedämpfte Räume, große Hallen, gekachelte Räumlichkeiten zum Beispiel. Und immer ändert sich die Hörsituation – nicht nur für Hörgeschädigte.

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